VAL DI FIEMME,ITALY,11.JAN.20 - NORDIC SKIING, SKI JUMPING - FIS World Cup, normal hill. Image shows Stefan Kraft (AUT). Photo: GEPA pictures/ Patrick Steiner

Nach Weihnachten ist vor der Tournee :) :) :)

Ich hoffe, ihr hattet schöne Weihnachten und habt die Zeit genießen können. Bei mir war Weihnachten natürlich auch im kleinsten Kreise mit meinen Eltern. Selbstverständlich hat es über Weihnachten auch das eine oder andere „Keksl“ und gute Essen gegeben – das gehört für mich einfach zu Weihnachten dazu. Unterm Strich habe ich die zwei Tage genossen, in denen sich nicht alles um Körper und Skispringen dreht. Jetzt kann es dann losgehen.

Die letzten Tage …

In den letzten Tagen seit Planica ist bei mir schon Einiges passiert. Ich habe viel therapiert und habe Vieles besprochen und beredet und meinen Leitfaden neu erarbeitet. D.h. mein persönliches Konzept und meine Pläne für die kommenden Wochen und die Saison komplett neu aufgestellt und auch angepasst. Dabei stehen ganz klar mein Körper und meine Gesundheit im Mittelpunkt und ich habe diesbezüglich jetzt schon Tag für Tag versucht, das Beste rauszuholen – Schmerz therapieren, Spannungen abbauen, körperliches Training aufnehmen usw. Wie gesagt, während einer Skisprung Saison, mit Wettkämpfen, zumindest an jedem Wochenende, bis in den März hast du nicht viel Freiraum, um auf den Körper zu schauen. ABER es muss und wird mein Ziel sein, das im Fokus zu behalten. Im Moment fühle ich mich den Umständen entsprechend auf einem guten Weg, bin gut vorbereitet und habe einen guten Plan, ABER es wird ziemlich sicher so sein, dass ich nach der Tournee auch noch 1-2 Wochenenden bewusst auslasse, um an meiner Stabilität zu arbeiten. Das „gelbe Trikot“ ist dieses Jahr schon außer Reichweite (mit meinem derzeitigen Punktestand ;-)), und so möchte ich vor allem drauf schauen, dass ich so körperlich fit wie möglich zur WM nach Oberstdorf komme.

 Sprünge als „Wundertüte“

Die paar Sprünge vor Weihnachten auf der Schanze in Seefeld waren für das „Gefühl“ schon mal ganz gut. DAS war der Plan, auf jeden Fall noch mal kurz auf eine Schanze zurück zu kehren. Gerade um auch zu spüren wie der Körper reagiert und natürlich noch mal zu checken, ob das Skispringen noch funktioniert 😉 Das WICHTIGSTE bleibt der Körper, jetzt und die nächsten Wochen und bis zum Saisonende. Das ist der absolute Fokus. Wenn sich der Körper nicht wohlfühlt kann ich nicht in Ruhe Skispringen. Aus diesem Grund ist mir auch wichtig noch einmal zu vermitteln: Ich werde diese Saison eine Wundertüte bleiben! –> Ich kann sehr gut sein, ABER es kann auch plötzlich sein, dass ich daran gehindert werde überhaupt mit zu machen!  => Planica hat das genau bestätigt, was ich vor der Saison schon laut ausgesprochen habe.

Der Mythos Tournee – und dieses Mal keine Fans im Stadion

Zusammenfassend komm ich schon ein bisschen wie ein „Nackapatzl“ zu einer DER großen Veranstaltungen im Skispringen. Mir fehlen einfach Sprünge, ein gewisser Wettkampfrhythmus. Ich werde versuchen einfach eine gute Balance zu finden und dann werden wir sehen wohin die Reise geht.

Der Wettkampfrhythmus ist das Eine, die Atmosphäre das Andere. Was uns alle natürlich schon traurig macht ist, dass so ein Spektakel ohne Zuschauer und Fans über die Bühne gehen muss. Wir sind uns alle bewusst, dass es nur so geht, aber da fehlt uns schon ein wesentlicher Teil, der die Tournee so auch ein stückweit ausmacht. Mit einem „Eisei“ in dieser Verfassung würden die Deutschen die Hütte in Oberstdorf und Garmisch wahrscheinlich noch mehr abreißen, als sonst, völlig „durchdrehen“ und ein Springen in Österreich ohne Fans ist schon eine ganz eigene Atmosphäre. Aber es werden wieder andere Zeiten kommen und wir werden es dann wieder umso mehr genießen, wenn uns die Fans hinuntertragen.

 Ziele, Favoriten, unser Team UND da Michl …

Was die Ziele für die Tournee angeht, sind das natürlich ganz andere als in den letzten Jahren. Es wäre wirklich unrealistisch, wenn ich das anders sehen würde. Nichts desto trotz werde ich alles geben, wie immer. Ich werde versuchen einfach Skizuspringen, alles aufzunehmen und unter Wettkampfbedingungen die Spannung aufzubauen und zu halten. Ich bin einfach nur happy, dass ich dabei sein kann bei diesem „Mythos“ Vierschanzentournee – das ist und bleibt einfach speziell.

Deutsche, Norweger, Polen – die sind alle wieder stark. Trotzdem darf man uns nicht abschreiben 😉 Hubi, Michi und die anderen – wir werden auf jeden Fall alles geben. Ich freu mich vor allem wieder auf’n Michl – wir haben schon einiges gemeinsam erlebt, die letzten Jahre. Aber die letzten Wochen haben mir wieder gezeigt, wie wichtig es ist, einen Buddy an deiner Seite zu haben, der mit dir kämpft. Gemeinsam ists besser als alleine UND vor allem lustiger! Jetzt haben wir uns eh schon lange nicht mehr gesehen ;-). Wir müssen wieder zusammenhalten, egal was rauskommt.

Ich freue mich auf die Tournee und die Wettkämpfe, jetzt schon DANKE fürs Daumendrücken und hoffentlich bis bald,

Krafti.